Wichtige Faktoren die Ihre Chancen beeinflussen

Einer der aussagekräftigsten positiven prognostischen Faktoren für Ihre Chancen einer erfolgreichen Kinderwunschbehandlung ist die Frage ob sie eventuell schon gemeinsame Schwangerschaften erzielt haben. So liegen die Schwangerschaftsaussichten einer über 30-jährigen Patientin mit einer vorherigen gemeinsamen Schwangerschaft nach 2 Jahren erneuten Kinderwunsches trotz unauffälligen männlichen und weiblichen Untersuchungsergebnissen bei ungefähr 42% innerhalb eines Jahres. Die gleiche Patientin ohne eine vorherige Schwangerschaft in der Beziehung weist hingegen eine mittlere Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von nur noch 27% innerhalb eines Jahres auf. Ergeben sich jetzt noch Hinweise für eine Eizellreifungsstörung sinken die mittleren Schwangerschaftsaussichten auf 10% innerhalb eines Jahres.

Ein weiterer wichtiger Faktor für ihre sehr individuelle Schwangerschaftswahrscheinlichkeit ist die Dauer Ihres Kinderwunsches. Patienten mit einer sehr guten oder normalen Fruchtbarkeit machen definitionsgemäß mit ca. 80% den größten Teil der normalen Bevölkerung aus und haben gute Aussichten innerhalb eines Jahres ihren Kinderwunsch zu verwirklichen. So erzielen auch ca. 70 bis 80% aller Paare mit Kinderwunsch innerhalb eines Jahres die gewünschte Schwangerschaft. Nach zwei Jahren unerfüllten Kinderwunsches tritt theoretisch bei allen Patienten mit einer normalen Furchtbarkeit die gewünschte Schwangerschaft ein. Nach insgesamt 5 Jahren unerfüllten Kinderwunsches verbleiben fast nur noch Patienten mit schweren Fruchtbarkeitsproblemen. Logischerweise sind natürlich Patienten mit einer schwer eingeschränkten Fruchtbarkeit auch schwieriger erfolgreich zu behandeln als Paare mit vergleichbar leichten Fruchtbarkeitsproblemen. Insofern beeinflusst Ihre Kinderwunschdauer auch unsere Empfehlung, welche Therapie wir Ihnen vorschlagen.

Ein weiterer sehr wichtiger Prognosefaktor für Ihre persönliche Schwangerschaftswahrscheinlichkeit ist das weibliche Alter. So liegt die Schwangerschaftsrate bei einer IVF-/ICSI-Behandlung in Deutschland bei 25 bis 30 jährigen Frauen zwischen 35% und 40%. Vor allen jenseits des 35. Lebensjahres sinkt diese aber um 2 -3% mit jedem weiteren Lebensjahr ab und unterschreitet die 10% um das 43. Lebensjahr.

Neben diesen einfachen Prognosefaktoren, die mit jeder Anamneseerhebung beim Erstgespräch erfasst werden, gibt es natürlich auch eine Reihe anderer weiblicher Faktoren wie z. B. die Frage der Durchgängigkeit und Funktion der Eileiter, das Vorhandensein regelmäßiger Eisprünge und die Frage ob es Beeinträchtigungen im Bereich der Gebärmutter gibt, welche Ihre persönlichen Schwangerschaftsaussichten beeinflussen.

Der wichtigste männliche Prognosefaktor ist natürlich die Qualität Ihrer Samenprobe. Diese ist natürlichen Schwankungen unterworfen, weswegen ja auch immer zwei Samenproben für eine aussagekräftige Untersuchung herangezogen werden sollten. Hierbei gibt es keinen klaren Grenzwert, ab dem eine normale Schwangerschaft unmöglich wird. Aus Studien zur hormonellen männlichen Verhütung und aus den Erfahrungen der IVF-Behandlung wissen wir aber, dass eine gewisse Mindestqualität im Allgemeinen für die Erzielung einer normalen Schwangerschaft notwendig ist. So wissen wir aus Studien zur hormonellen männlichen Verhütung, dass bei einer Spermienkonzentration von unter 3 Millionen pro ml ungefähr so viele Schwangerschaften wie bei der Nutzung eines Kondoms (3 bis 6 Schwangerschaften auf 1200 Zyklen) eintreten. Eine Konzentration der Spermien von unter 1 Million Spermien pro ml entspricht dem Verhütungseffekt der Pille (0,1 bis 6 Schwangerschaften auf 1200 Zyklen). Sollte es also nicht gelingen, die schwere Einschränkung der Spermienqualität zu verbessern, führen selbst Verdopplungen der Schwangerschaftswahrscheinlichkeiten wie z. B. durch die Durchführung einer Insemination oder einer hormonellen Stimulationstherapie bei der Partnerin mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu der ersehnten Schwangerschaft. Mit guten Erfolgsaussichten käme für diese Paare daher therapeutisch am ehesten die Durchführung einer ICSI-Behandlung in Frage, für deren Erfolg die Qualität der Spermienprobe häufig nur untergeordnet von Bedeutung ist.