Einschränkungen der Eileiterfunktion

Für eine natürliche Befruchtung und Einnistung des Embryos in die Gebärmutter ist die Durchgängigkeit und regelrechte Funktion der Eileiter eine Grundvoraussetzung. Störungen der Eileiterdurchgängigkeit, Eileiterbeweglichkeit und der Eileiterschleimhaut sind häufig und zu 20–30% beteiligt bei unerfülltem Kinderwunsch. Neben der eingeschränkten Fruchtbarkeit besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für das Entstehen einer Eileiterschwangerschaft.

Diagnostik

Der Verdacht auf eine Schädigung der Eileiter ergibt sich oft aus der Anamnese. So ist das Risiko für eine Schädigung der Eileiter insbesondere erhöht bei Frauen mit vormaligen Eileiterschwangerschaften (Risikoerhöhung: acht bis sechszehnmal) und bei Frauen mit Hinweisen auf z.B. eine Chlamydieninfektion (Risikoerhöhung:ca. zwölffach). Weitere anamnestische Hinweise für eine Schädigung der Eileiter sind eine abgelaufene Blinddarmentzündung (Risikoerhöhung: ca. drei bis siebenfach), eine Endometriose (Risikoerhöhung: ca. sechsfach) und Entzündungen (Risikoerhöhung: ca. drei bis fünffach) oder Operationen im Unterbauch (Risikoerhöhung: ca. vierfach). Aber auch Raucherinnen haben ein erhöhtes Risiko für Eileiterschädigungen und weisen so eine Risikoerhöhung für Eileiterschwangerschaften auf (Risikoerhöhung: ca. vierfach).

Die körperliche Untersuchung ist selten zielführend. Auch im normalen vaginalen Ultraschall ohne Kontrastmittel können oft nur grobe Auftreibungen der Eileiter (Hydro- oder Saktosalpinx) oder Verlegungen der Eileiter durch Myome erkannt werden. Geeignet zur Abklärung der Eileiter sind zum einen die Bauchspiegelung aber auch Ultraschallmethoden, wie wir Sie unter „Eileiteruntersuchung“ beschreiben. Welches der beiden Verfahren zur Abklärung der Eileiterdurchgängigkeit Anwendung findet, sollte im Dialog mit der Patientin entschieden werden. Grundsätzlich sollten Frauen mit deutlich erhöhten Risiken für eine Eileiterschädigung in der Anamnese eher mittels einer Bauchspiegelung untersucht werden, da hier gegebenenfalls eine Behebung der Eileiterschädigung möglich ist. Beide Verfahren können jedoch nur die Durchgängigkeit der Eileiter überprüfen und liefern kaum Informationen über die Eileiterbeweglichkeit oder die Eileiterschleimhaut.

Therapie

Grundsätzlich kommen für die Therapie von Eileiterverschlüssen die operative Korrektur der Eileiterschädigung und die Anwendung von Verfahren der assistierten Befruchtung zur Erfüllung des Kinderwunsches in Frage. Nicht zuletzt aufgrund der großen Fortschritte der assistierten Befruchtungn verliert die operative Behebung von Eileiterverschlüssen zunehmend an Bedeutung.

Der Vorteil der assistierten Befruchtung ist die deutlich höhere Schwangerschaftsrate pro Zyklus im Vergleich zur Eileiteroperation.

Welches Verfahren für die Patientin in Frage kommt, sollte in engem Dialog und unter Berücksichtigung der Anamnese, der Spermienwerte des Partners, des Alters der Patientin und der Dauer des Kinderwunsches entschieden werden. Der klare Vorteil des operativen Vorgehens ist der mögliche Eintritt einer Schwangerschaft ohne weitere ärztliche Hilfe, mit jedoch dem Nachteil einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit für den Eintritt einer Eileiterschwangerschaft (siehe oben). Des Weiteren kann trotz der operativen Behebung des Eileiterverschlusses eine zusätzliche Schädigung der Eileiterbeweglichkeit oder der Eileiterschleimhaut den Eintritt einer Schwangerschaft hinauszögern oder gar verhindern.

Sollte  ein Verschluss der Eileiter mit einer sichtbaren Auftreibung im normalen vaginalen Ultraschall vorliegen (Hydro- oder Saktosalpinx), empfiehlt sich fast immer eine Behandlung des Kinderwunsches mit Verfahren der assistierten Reproduktion. Vor der Anwendung dieser Verfahren sollte jedoch aufgrund der fünfmal höheren Wahrscheinlichkeit für das Eintreten einer Schwangerschaft eine operative Entfernung oder Abklemmung der Eileiter erwogen werden.

Relevante Leitlinien / Literaturverweise

  • Johnson et al. Surgical treatment for tubal disease in women due to undergo in vitro fertilisation. CochraneDatabaseSystRev.  2010
  • Luttjeboer et al. The Value of medical history taking as risk indicator for tuboperitonealpathology: a systematic review. BJOG 116: 612-25. 2009
  • Lyons et al. The reproductive significance of human Fallopian tube cilia. HumReprod Update 12: 363-72, 2006