Syndrom der polyzystischen Ovarien

Zyklusstörungen (meist verlängerte Zyklen ohne Eisprung) sind das Leitsymptom des PCO-Syndroms. Es ist damit die häufigste Hormonstörung: es betrifft 5 -10 % aller Frauen im gebährfähigen Alter. Im Ultraschall kann meistens als Folge der gestörten Eizellbildung eine erhöhte Anzahl früher Eibläschen mit einer bereits kleinen Eibläschenhöhle (Antrale Eibläschen) dargestellt werden, die  insgesamt zu einer Vergrößerung der Eierstöcke führt. Häufig findet sich eine Erhöhung der männlichen Hormone (Hyperandrogenämie). Männliche Hormone werden bei der Frau insbesondere in der Nebenniere und im Eierstock  gebildet. Welche Ursachen für eine Hyperandrogenämie vorliegt, ist im Einzelfall nicht immer genau zu klären. Ursächlich für die erhöhte Produktion der männlichen Hormone können Störungen der Nebenniere,  der zentralen Steuerung der Nebenniere oder des Eierstocks selber sein. Zusätzlich können ein stärkeres Übergewicht und verschiedene Stoffwechselerkrankungen wie z. B. ein Diabetes mellitus zu einer Hyperandrogenämie führen. Diese kann eine vermehrten männlichen Behaarung (Hirsutismus) und Haarausfall (androgenetische Alopezie) bedingen, welche meist auch außerhalb des Kinderwunsches eine Therapie notwendig machen. Zusätzlich besteht bei Frauen mit einem PCO-Syndrom ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko und Risiko für Schildrüsenstörungen.

Diagnostik

Gemäß den Rotterdam Konsensus Bestimmungen der europäischen und amerikanischen Reproduktionsmediziner liegt ein PCO-Syndrom vor, wenn zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt werden.

  • Nachweis vermehrter männlicher Hormone im Blut oder Nachweis einer vermehrten männlichen Hormonwirkung (z. B. vermehrte männliche Behaarung oder Haarausfall)
  • Verlängerung des Blutungsintervalls > 35 Tage (Oligomenorrhoe) oder Ausbleiben der Monatsblutung (Amenorrhoe)
  • Mindestens ein Eierstock mit mehr als 12 Eibläschen oder deutliche Vergrößerung eines Eierstocks > 10 ml

Neben diesen drei Kernsymptomen zeigen sich bei einem PCO-Syndrom und adipösen Frauen (Body Mass Index > 27) häufig eine Beeinträchtigung des Zuckerhaushaltes (Insulinresistenz bei Übergewicht) und eine Erhöhung des Hormones LH, welche jedoch für die Diagnose eines PCO-Syndroms nicht zwingend benötigt werden.

Anamnestisch ergibt sich der Verdacht auf ein PCO-Syndrom insbesondere bei jungen adipösen Frauen mit einer Verlängerung des Blutungsintervalls > 35 Tage oder fehlender Monatsblutung. Auch schlanke Frauen sind aber von einem PCO-Syndrom betroffen. Hinweise für eine erhöhte männliche Hormonwirkung bei der körperlichen Untersuchung betreffen eine vermehrte männliche Behaarung vor allen in den Bereichen der Oberlippe, des Kinns, des genitalen Schambereichs, der Oberschenkelinnenseiten, der Brust, des Rückens und im Bereich der Oberarme. Folge der erhöhten männlichen Hormonwirkung können auch ein männlicher Haarausfall mit Ausdünnung der Region des Mittelscheitels und Bildung von „Geheimratsecken“ sein. Kennzeichnend im Ultraschall ist die deutliche Vergrößerung der Eierstöcke mit Darstellung der vermehrten Anzahl der Eibläschen.

Neben den klinischen Zeichen der erhöhten männlichen Hormonwirkung finden sich in den Hormonwertbestimmungen beim PCO-Syndrom typischerweise, aber nicht zwingend, Erhöhungen der männlichen Hormone Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS), Androstendion und/oder Testosteron verbunden mit einem gestörten Verhältnis der Hormone LH und FSH aus der Hirnanhangsdrüse. Darüberhinaus  können sich insbesondere bei Frauen mit deutlichem Übergewicht sich als Folge eines gestörten Zuckerhaushaltes eine Erhöhung des Blutzuckers im Zuckerbelastungstest oder eine vermehrte Sekretion des Hormones Insulin zeigen.

Therapie

Vor allem bei Frauen mit deutlichem Übergewicht oder einem stammbetonten Fettverteilungsmuster an Bauch und Taille sollten zunächst eine Gewichtsreduktion und vermehrte körperliche Bewegung im Vordergrund der therapeutischen Bemühungen stehen. Selbst relativ geringe Verminderungen des ursprünglichen Ausgangskörpergewichts um ca. 5% führen dabei teils schon zu spürbaren Verbesserungen der Eizellreifung und zu Schwangerschaften. Professionelle Programme, um unsere Patientinnen hierbei gezielt zu unterstützen werden dabei im Rahmen unserer Kooperation mit Diabetes- und Ernährungsärzten http://www.diabetes-praxis-muenster.de angeboten. Diese Phase einer Gewichtsreduktion sollten idealerweise einer weitergehenden Kinderwunschbehandlung vorangehen, da mögliche Auswirkungen solcher Therapien auf die Frühschwangerschaft weitgehend unklar sind.

Medikamentös kann bei Patientinnen mit einer erhöhten DHEAS Produktion der Nebennierenrinde durch die Gabe einer abendlichen Tablette Dexamethason oder Prednisolon versucht werden, die erhöhten männlichen Hormone zu reduzieren.

Medikamentöses Mittel der ersten Wahl für die Herbeiführung einer Eizellreifung ist das Medikament Clomifen. Kommt es unter der oralen Gabe von Clomifen nicht zu einer Eizellreifung, kann bei Frauen mit erhöhten Blutzuckerwerten versucht werden, durch die zusätzliche Gabe des Antidiabetikums Metformin dennoch zu einer Eizellreifung zu gelangen. Des Öfteren gelingt es bei Frauen mit schweren Beeinträchtigungen der Eizellreifung im Rahmen des PCO-Syndroms aber nicht, mit Clomifen und/oder Metformin zu einer Eizellreifung zu gelangen. Als Therapie der zweiten Wahl empfehlen die Konsensus Empfehlungen in diesen Fällen eine Spritzentherapie mit Gonadotropinen. Insgesamt ist die hormonelle Förderung der Eizellreifung mittelsClomifen oder Gonadotropinen beim PCO-Syndrom hoch effektiv mit kumulativen Schwangerschaftsraten von bis zu 72%. Gerade bei jungen, schlanken Frauen mit einem PCO-Syndrom kann es aber aufgrund der vielen vorhandenen Eibläschen zu einer Reifung von mehreren Eizellen kommen, was das Risiko von ungewollten Mehrlingsschwangerschaften nach sich ziehen könnte. Daher muss bei jeder Stimulationstherapie eine Ultraschallkontrolle erfolge - so können wir ausschließen, dass ein Mehrlingsrisiko besteht.

Als Therapie der zweiten Wahl wird eine operative Reduzierung der Zahl der Eibläschen mittels Bauchspiegelung empfohlen (Stichelung). Die Hälfte aller Frauen welche operativ behandelt werden, benötigt aber auch nach der operativen Therapie noch eine zusätzliche hormonelle Förderung der Eizellreifung. Gelingt es durch eine Clomifen oder Gonadotropin Stimulation und/oder operative Reduzierung der Zahl der Eibläschen nicht zu einer geordneten Ausreifung von bis zu 3 Eizellen zu kommen, steht als Therapie der dritten Wahl die Durchführung einer IVF-Behandlung oder operative selektive ultraschallgesteuerte Follikelreduktion zur Verfügung.

Außerhalb eines bestehenden Kinderwunsches ergibt sich keine zwingende spezifische Notwendigkeit einer Therapie des PCO-Syndroms. Zur Vermeidung der negativen Auswirkungen einer langjährigen Erhöhung der männlichen Hormone (vermehrte männliche Behaarung, Haarausfall, Pickelbildung) ist jedoch auch hier in vielen Fällen eine Behandlung sinnvoll. Geeignet hierfür sind vor allen Antibabypillen mit einer antimännlichen Hormonkomponente oder antimännliche Hormone, welche die erhöhte männliche Hormonwirkung blockieren. Bei Frauen mit einem PCO-Syndrom sind aufgrund dieser günstigen Auswirkungen der Pille daher auch die Chancen für eine Schwangerschaft in den ersten drei Zyklen nach dem Absetzen der Pille am höchsten.

Relevante Leitlinien / Literaturverweise

  • The Rotterdam ESHRE/ASRM-sponsored PCOS consensus workshop group, Revised 2003 consensus on diagnostic criteria and longterm health risks related to polycystic ovary syndrome (PCOS), Human Reproduction Vol.19, No.1 pp. 41±47, 2004
  • The Thessaloniki ESHRE/ASRM-Sponsored PCOS Consensus Workshop Group. Consensus on infertility treatment related to polycystic ovary syndrome, Human Reproduction Vol.23, No.3 pp. 462–477, 2008
  • Informativ ist auch die Patientenbroschüre der pharmazeutischen Firma MSD zum Thema PCO-Syndrom, welche Sie hier downloaden können.