Erektionsstörungen

Erektionsstörungen (Synonym: Erektile Dysfunktion) sind bei unseren Kinderwunschpatienten eher selten. Dies liegt im Wesentlichen an der Altersstruktur unserer Patienten,da die Häufigkeit der Erektionsstörungen erst mit dem zunehmenden Lebensalter stark ansteigt von ca. 5% in der Gruppe der 40-Jährigen, auf über 70% bei Männern jenseits des siebzigsten Lebensjahres. Laut Definition der Europäischen Gesellschaft für Urologie ist eine erektile Dysfunktion das anhaltende Unvermögen, eine für eine befriedigende sexuelle Aktivität ausreichende Erektion zu erreichen und/oder aufrecht zu erhalten.Ursächlich für Erektionsstörungen können Störungen der Gefäße, Nerven, oder der hormonellen Regulation sein, welche eigenständig oder in Kombination verschiedener Faktoren zur Beeinträchtigung der Erektionsfähigkeit führen. Etwa 50 – 80% der organisch bedingten Erektionsstörungen sind maßgeblich auf Durchblutungsstörungen der kleinen Arterien des Penis zurückzuführen, wobei jedoch psychogene Faktoren bei kaum einer längerfristig bestehenden erektilen Dysfunktion fehlen. Da die arteriellen Penisgefäße z.B. im Vergleich zu den Herzkranzgefäßen sehr klein sind, gehen die Erektionsstörungen dabei meist den Herzkreislauf-Erkrankungen um mehrere Jahre voraus

Diagnostik

In der Anamnese von unseren Kinderwunschpatienten mit Erektionsstörungen finden sich vor allem Risikofaktoren für Herzkreislauf-Erkrankungen wie Bewegungsarmut, Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen, Medikamente und vermehrte Blutfette aber auch radikale Prostataoperationen. Die Diagnostik der erektilen Dysfunktion umfasst neben der Erfassung und Beurteilung der oben genannten Risikofaktoren, vor allen die Anamnese mit speziellen Focus auf die Sexual-Anamnese. Zusätzlich kommen spezifische, standardisierte und validierte Fragebögen zur Erfassung der Erektionsstörungen zum Einsatz. National als auch international hat sich hier der International Index of Erectile Function (IIEF) durchgesetzt.

Die körperliche Untersuchung beinhaltet die Messung des Blutdruckes, Körpergewichts, Bauchumfange und erfasst Hinweise für Prostataerkrankungen, Hormonstörungen oder Penisdeformitäten. Bei allen unseren Patienten erfolgt zudem eine Blutuntersuchung. Diese beinhaltet die Bestimmung des Blutzuckers, ein Fettstoffwechselprofil (Cholesterin, Trigylceride, HDL, LDL) und Analyse des männlichen Sexualhormones (Testosteron) und des freien Testosterons und weitere Hormonwertbestimmungen.

Die Durchführung der o.g. basalen minimalen Diagnostik reicht für die meisten unserer Kinderwunschpatienten mit einer Erektionsstörung aus. Ist eine weitere diagnostische Abklärung mittels zusätzlicher Untersuchungen wie nächtliche Rigidität- und Tumeszenzmessungen, spezialisierte psychologische Abklärung, neurologische Abklärung oder vaskuläre Diagnostik geboten, erfolgt die weitere Abklärung außerhalb unseres Zentrum durch einen Urologen oder gegebenenfalls anderweitigen Facharzt.

Therapie

Falls möglich sollte bei allen Patienten mit Erektionsstörungen die Behandlung der kausalen Ursachen der erektilen Dysfunktion an erster Stelle stehen. Hierzu zählen insbesondere die Behandlung hormoneller Beeinträchtigungen (vor allem Androgenmangel), die Diabeteseinstellung, die Wiederherstellung des Blutflusses der Gefäße des Penis und die günstige Beeinflussung bekannter Risikofaktoren und Lifestyle Faktoren. Auch eine psychologische Sexualtherapie sollte bei allen Patienten mit stärkerer psychologischer Komponente erwogen werden.

Bei den meisten unserer Kinderwunsch Patienten mit einer Erektionsstörungen können wir aber eine solche klare, dominierende Ursache der Erektionsstörung nicht finden, da es sich häufig um ein multifaktorielles Geschehen handelt. Unter Berücksichtigung Ihrer Erwartungen, der Effektivität, der Nebenwirkungen und der Kosten ergeben sich eine Reihe von medikamentösen Behandlungsoptionen. Am verbreitesten ist sicherlich der Einsatz von sogenannten PDE5-Inhibitoren (z. B. Viagra®, Cialis®, Levitra®) als Bedarfs- aber auch als Dauermedikation, wobei sich hier strenge Kontraindikationen mit einigen Herzmedikamenten ergeben. Gegebenenfalls ist daher vor der Einleitung einer Medikation mit dieser Medikamentenklasse auch eine Untersuchung durch einen Kardiologen (Herzspezialisten) notwendig.

Neben den PDE5-Inhibitoren gibt es aber auch weitere Behandlungsoptionen vor allen mittels Tabletten, Schwellkörperinjektionsbehandlung und durch Vakuumpumpen für den Penis. Für eine detaillierte Beschreibung dieser Verfahren verweisen wir auf unsere fachurologischen Kollegen. Sollte sich auch nach Kombination der Mittel und Dosismodifikation keine für den Patienten befriedigender Behandlungserfolg ergeben, bleibt letztendlich nur die Implantation einer Penisprothese als Ultima Ratio.

Relevante Leitlinien / Literaturverweise

  • European Association of Urology. Guidelines on male sexual dysfunction: Erectile dysfunction and premature ejaculation. 2013 http://www.uroweb.org/gls/pdf/14_Male%20Sexual%20Dysfunction_LR.pdf
  • Kostis et al., Sexual dysfunction and cardiac risk (the Second Princeton Consensus Conference). Am. J. Cardiol. 96: 85M – 93M, 2005
  • Nieschlag, E., Behre, H. M., Nieschlag, S. Andrologie: Grundlagen und Klinik der reproduktiven Gesundheit des Mannes. 3. Auflage. Springer Verlag, Heidelberg. 2009