Hodentumor und Vorstufen

Der Hodentumor ist die häufigste bösartige Erkrankung des Mannes zwischen dem 25. bis 40. Lebensjahr und kommt bei Männern mit Fruchtbarkeitsstörungen deutlich häufiger als in der Normalbevölkerung vor. Dies liegt vor allen darin begründet, dass die Hodentumore und die Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit gemeinsame Risikofaktoren aufweisen (z. B. Hodenhochstand). Zudem führen die Hodentumore selber fast immer zu Einschränkungen der Fruchtbarkeit. Im Allgemeinen ist einer von 200 Kinderwunschpatienten von einem Hodentumor betroffen. Die Entwicklung der Hodentumore erfolgt über eine bösartige Vorstufe: dem Carcinoma in situ (CIS). Ob diese bösartigen Vorstufen erst im Laufe der Entwicklung entstehen oder angeboren sind, kann nicht gesagt werden. Klar ist, dass sich ohne Therapie nahezu alle bösartigen Vorstufen zu einem bösartigen Hodentumor entwickeln.

Diagnostik

Anamnestisch finden sich bei Hodentumoren Hinweise für Schmerzen, Verhärtungen oder Schwellungen im Bereich der Hoden gegebenenfalls mit einer Vergrößerung der Brustdrüse und Hinweisen auf einen Hodenhochstand. Hinweisend für die Entwicklung eines Hodentumors kann insbesondere auch ein rascher Abfall der Spermienwerte sein. Daher sollte jeder plötzliche Abfall der Ejakulatparameter immer Anlass zu einer gründlichen Untersuchung der Hoden inklusive Ultraschall geben.

Bei der körperlichen Untersuchung können Veränderungen der Beschaffenheit der Hoden und des Hodenvolumens sowie Vergrößerungen der Brustdrüse auffallen. Bei den bösartigen Vorstufen wie auch den Tumoren im Frühstadium fehlen diese Hinweise, so dass diese häufig nicht mit der Abtastung der Hoden diagnostiziert werden können. Zielführend für die Diagnose eines Hodentumors als auch der bösartigen Vorstufen ist vor allen die Ultraschalluntersuchung. Die Hodentumore fallen hierbei meist als dunkle oder helle Bereiche mit unruhiger Struktur auf, während die bösartigen Vorstufen meist auffällige helle Flecken im Hoden aufweisen. Zeigt sich in den Bestimmungen der Tumormarker (AFP, hCG) bei den Hodentumoren eine Erhöhung des hCG können in den Hormonwertbestimmungen im Blut LH und FSH gesenkt sein, bei meist normalen oder hochnormalen Testosteron- und Östradiolwerten.

Die definitive Diagnose eines bösartigen Hodentumors als auch der bösartigen Vorstufen kann nur mittels einer Gewebeentnahme aus dem Hoden gestellt werden. Da das Vorkommen einer bösartigen Veränderung in einem Hoden auch immer einen immensen Risikofaktor für den anderen Hoden darstellt, sollte die Gewebeentnahme aus dem Hoden immer beidseitig durchgeführt werden.

Therapie

Die Therapie des Hodentumors als auch der bösartigen Vorstufen erfolgt entsprechend internationalen Richtlinien. Beim einseitigen Befall wird der betroffene Hoden im Allgemeinen entfernt. Während diese Therapie für die bösartigen Vorstufen ausreichend ist, erfolgt bei den übrigen Hodentumoren entsprechend ihrer speziellen Art und Ausbreitung meist eine weitere Therapie. Diese kann eine erweiterte Operation und/oder eine Bestrahlung und/oder eine Chemotherapie beinhalten.

Die Heilungsraten der Hodentumore liegen inzwischen über 90% und viele Patienten zeigen eine Erholung der Samenparameter nach der Entfernung des Hodentumors. Intensive weitere Tumortherapien können jedoch zu einem dauerhaften Verlust der meist schon vorher eingeschränkten Spermienbildung führen, so dass insbesondere bei Patienten mit Kinderwunsch vor der weiteren Therapie eine Gefrierkonservierung von Spermien (Kryokonservierung) durchgeführt werden sollte.

Relevante Leitlinien / Literaturverweise