Wie Leben entsteht

Alle unsere therapeutischen Maßnahmen zielen darauf ab, den Eintritt einer Befruchtung und späteren Einnistung des Embryos zu fördern. Daher wollen wir Ihnen die Vorgänge beim Ablauf einer natürlichen Befruchtung nachfolgend kurz schildern.

Die Reifung der Eizelle

Der weibliche Zyklus beginnt mit der Monatsblutung und schwankt zwischen 24-35 Tagen (im Mittel 28 Tage). Der Eintritt einer erneuten Blutung zeigt den Zyklusbeginn an. Man unterteilt den Zyklus in zwei Phasen: Die Follikelphase und die Gelbkörperphase.

Die erste Zyklusphase (Follikelphase), beginnt mit dem ersten Tag der Monatsblutung (Menstruation). Dieser ist als der 1. Zyklustag definiert. Die Follikelphase kann in ihrer Länge variieren. Zykluslängen zwischen 24 und 35 Tagen aufgrund einer verkürzten oder verlängerten Follikelphase sind im Bereich des Normalen.

Durch die Ausschüttung des Gonadotropin Releasing Hormons (GnRH) aus dem Gehirn wird die Hirnanhangsdrüse angeregt, Follikel-Stimulierendes Hormon (FSH) abzugeben. Unter dem Einfluss des Follikel-Stimulierenden Hormones kommt es in der ersten Zyklusphase zu einem Wachsen des Eibläschens. Das wachsende Eibläschen produziert im Verlauf der ersten Zyklusphase zunehmend das weibliche Sexualhormon auch Östrogen genannt. Die Östrogene wiederum führen zu einem Wachstum der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) aber auch zur vermehrten Schleimproduktion der Drüsen im Bereich der Scheide und des Gebärmutterhalses.

Der Eisprung (Ovulation) wird dann vom Körper durch einen rasanten Anstieg des Luteinisierenden Hormones (LH) aus der Hirnanhangsdrüse eingeleitet, wenn die Östrogene im weiteren Zyklusverlauf einen für jede Frau sehr individuellen Östrogenwert überschreiten. Der Eisprung erfolgt ca. 36 bis 38 Stunden nach dem Beginn des LH-Anstiegs bzw. ca. 10 bis 12 Stunden nach dem Erreichen des LH-Gipfels.

Die zweite Zyklusphase, die Gelbkörperhormonphase (Lutealphase), beginnt direkt nach dem Eisprung und beträgt relativ konstant 14 Tage. Hierbei bildet die verbleibende Wand des ehemaligen Eibläschens nunmehr unter dem Einfluss von LH aus der Hirnanhangsdrüse zunehmend das Gelbkörperhormon (Progesteron). Dieses Gelbkörperhormon führt zu einem Umbau der aufgebauten Gebärmutterschleimhaut, verbunden mit einer leichten Temperaturerhöhung um nachfolgend die Einnistung der befruchteten Eizelle zu ermöglichen. Deutliche Verkürzungen und Beeinträchtigungen der Lutealphase mit Schmier- und/oder Zwischenblutungen deuten auf eine Gelbkörperschwäche (Corpus- Luteum Insuffizienz) hin, welche Ihren Ursprung meist in einer Beeinträchtigung der Eizellbildung haben. Ist es zu keiner Befruchtung der Eizelle oder Einnistung des Embryos gekommen, fällt das Gelbkörperhormon ab, wodurch eine erneute Blutung eintritt (nächster Zyklusbeginn).

Eine Frau wird mit allen ihren Eizellen geboren und verliert diese mit zunehmendem Alter. Nur wenn noch Eizellen vorhanden sind, kann eine Eizellreifung stattfinden.

Spermienbildung und Transport

Im Gegensatz zur Eizellbildung bei der Frau findet die Spermienbildung des Mannes lebenslang statt. Der Ausgangspunkt der Spermienbildung sind die Stammzellen der Spermienbildung (Spermatogonien) in den ca. 600 Hodenkanälchen. Das Leithormon der Spermienbildung ist das Follikel-Stimulierende Hormon (FSH) aus der Hirnanhangsdrüse, welches über die Sertolizellen direkt auf die Spermienbildung einwirkt. Zusätzlich ist das männliche Sexualhormon (Testosteron) ein wichtiger Faktor. Luteinisierendes Hormon (LH) aus der Hirnanhangsdrüse fördert in den Leydig Zellen die Bildung von Testosteron. Dadurch ist die Konzentration von Testosteron im Hoden 80 mal höher als im Blut. Über mehrere Zwischenstufen kommt es im Hoden zur Produktion von Spermien mit einer Reduzierung des doppelten auf den einfachen Chromosomensatz. Insgesamt dauert dieser Prozess der Spermienbildung von den Stammzellen der Spermienbildung bis zu den Spermien beim Menschen mindestens 64 Tage.

Die einzelnen Hodenkanälchen fließen im Kopf des Nebenhodens (Epididymis) zusammen. Beim Nebenhoden handelt es sich um einen einzigen, fünf bis sechs Meter langen Gang, welcher wollknäuelartig angelegt ist und dem Hoden anliegt. Während der Nebenhodenpassage, welche insgesamt ca. zwei bis elf Tage dauert, erhalten die Spermien durch verschiedene Sekrete (z. B. α-Glucosidase) die Fähigkeit eine Eizelle zu befruchten. Bis zur Ejakulation werden die Spermien im letzten Stück des Nebenhodens gelagert.

Als Folge einer sexuellen Erregung, kommt es im Penis durch einen vermehrten Einstrom und vermindertem Abfluss von Blut zu einer Erektion. Beim Orgasmus erfolgt durch die Aktivität der glatten Muskelzellen im unteren Genitaltrakt die Ausstoßung der Spermien aus dem Nebenhoden. Hierbei machen die Spermien nur etwa. 5 bis 10% des Samenergusses (Ejakulat) aus, während der Großteil des Ejakulates aus der Prostata (ca. 20% des Ejakulates) und den der Prostata anliegenden Samenblasen (ca. 70% des Ejakulates) stammt. Noch vor der eigentlichen Ejakulation mischen sich dann die Spermien und die Sekrete des Nebenhodens mit den Sekreten der Samenblasen (z. B. Fruktose) und der Prostata (z. B. Zink), welche zur weiteren Ernährung (Fruktose)  und Aktivierung (Zink) der Spermienbeitragen. Mit der Ejakulation verlassen die Spermien den männlichen Genitaltrakt.

Befruchtung und Einnistung

Mit dem Eisprung wird die Eizelle in den Eileiter ausgestoßen und vom Eileitertrichter aufgenommen.

Die Spermien sind vorher beim Geschlechtsverkehr mit der Ejakulation in dem hinteren Scheidengewölbe deponiert worden. Zunächst durchwandern die Spermien den Schleim des Gebärmutterhalses, die Gebärmutter und weite Teile des Eileiters. Anschließend müssen die Spermien die die Eizelle umgebenden Zellen (Cumuluszellen) und die verschiedenen Schichten der Eizellwand durchdringen.

Die größten Chancen für eine erfolgreiche Befruchtung der Eizelle ergeben sich dabei, wenn der Geschlechtsverkehr bis zu fünf Tage vor dem Eisprung stattgefunden hat, wobei es sinnvoll ist, in dieser fruchtbaren Phase mehrfach Geschlechtsverkehr zu haben.

Mit dem Eindringen eines Spermiums in die innere Eizelle wird die Wand der Eizelle derart verändert, dass kein weiteres Spermium in die Eizelle eindringen kann. Kurz vor dem endgültigen Verschmelzen der männlichen und weiblichen Erbmasse tritt die Eizelle in das Vorkernstadium (Pronucleistadium) ein: hier liegt nach dem Deutschen Embryonenschutzgesetz noch kein Embryo vor.

Mit der Verschmelzung der männlichen und weiblichen Vorkerne kommt es zu einem Embryo, welcher sich dann rasch weiter teilt und nach einem weiteren Tag zu einem Zwei- bis Vierzeller wird. Am dritten Tag nach dem Eindringen der Spermien besteht der Embryo aus vier bis acht Zellen. Mit dem vierten Tag (zwölf bis 16 Zellen) spricht man vom Morula-Stadium. Daraus entwickelt sich um den fünften Tag die Blastozyste mit mehr als 32 Zellen. Im Blastozystenstadium schlüpft der Embryo aus seiner Hülle und beginnt am sechsten Tag nach der Befruchtung mit der Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut. Mit dem neunten bis zehnten Tag nach der Befruchtung ist die Einnistung abgeschlossen. Durch die Einnistung kommt es zur Bildung des Schwangerschaftshormones (humanes Choriongonadotropin kurz hCG), das die Produktion des Gelbkörperhormons weiter fördert.