Nachlassen der Eierstockfunktion

Frauen werden mit allen Ihren Eizellen geboren und verbrauchen diese bis zu den Wechseljahren nahezu komplett. Mit dem weitgehenden Erlöschen der Eierstockfunktion, im Mittel um das fünfzigste Lebensjahr, kommt eine Frau mit der letzten vom Eierstock gesteuerten Blutung in die Wechseljahre (Menopause). Erlischt die Funktion der Eierstöcke vor dem vierzigsten Lebensjahr, wird von einem vorzeitigen Erlöschen der Eierstockfunktion gesprochen. Neben genetischen Gründen und familiär gehäuftem Auftreten können für dies vorzeitige Erlöschen der Eierstockfunktion vor allem Autoimmunerkrankungen, schwere Infektionen, größere Operationen der Eierstöcke, Endometriose aber auch Lebensgewohnheiten wie starkes Rauchen ursächlich sein. Deutlich vor den Wechseljahren kommt es jedoch zu einem rapiden Nachlassen der Fruchtbarkeit. So weisen ca. 50% der einundvierzigjährigen Frauen bereits keine oder nur sehr wenige befruchtungsfähige Eizellen mehr auf und schon ca. 50% der einunddreißigjährigen Frauen haben altersbedingte Eizellreifungsstörungen. Ausdruck einer solchen altersbedingten ungenügenden Eizellreifung ist häufig eine Gelbkörperschwäche (Corpus-Luteum-Insuffizienz), welche bei 5–10% der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch gefunden wird. Ursächlich hierfür ist häufig eine Verschlechterung der Eizellreifung in der ersten Zyklushälfte mit suboptimalen Hormonwerten und nachfolgender unzureichender Ausbildung des Gelbkörpers. Mit zunehmendem Nachlassen der Eierstockfunktion kommt es zu weitergehenden Veränderungen des Zyklus mit Zwischenblutungen oder mit Ausbleiben der Monatsblutung.

Diagnostik

Anamnestisch hinweisend für ein Nachlassen der Eierstockfunktion sind Abweichungen des Blutungsintervalls mit verkürzter oder verlängerter, teils stark schwankender, Zyklusdauer sowie das Auftreten von Schmierblutungenzu Beginn und Ende der Menstruation. Ist der Verlust der Eierstockfunktion bereits weiter fortgeschritten, kann es zu einem Ausbleiben der Monatsblutung oder zyklusunabhängigen Dauerblutungen kommen. Der Ultraschall zeigt typischerweise bereits verkleinerte Eierstöcke mit einer verminderten Anzahl von Eibläschen. Ist die Eierstockfunktion bereits weitergehend gestört, findet man keine Hinweise für eine Eizellreifung mit einer verminderten Dicke der Gebärmutterschleimhaut.

Da für den weiblichen Körper die Rekrutierung von Eizellen für den Zyklus zunehmend schwieriger wird, steigen in den Hormonwertbestimmungen die basalen FSH Konzentrationen an den Zyklustagen 2, 3 und 4 mit zunehmenden Alter an, wobei insbesondere Werte jenseits der 18 U/L auf eine erheblich reduzierte ovarielle Reservekapazität hinweisen. FSH kann jedoch große Schwankungen von Zyklus zu Zyklus zeigen, weswegen nur konstant erhöhte FSH Blutwerte auf eine reduzierte ovarielle Reservekapazität hinweisen. Zur besseren Beurteilbarkeit der FSH-Werte empfiehlt es sich auch, zeitgleich die Östradiol Werte zu bestimmen. Ein früher Anstieg der Östradiol Blutwerte ist ein klassisches Zeichen einer altersbedingten Veränderung der Eierstockfunktion und führt zu einer Verminderung der basalen FSH-Werte. Zeigen zwei Hormonbestimmungen im Abstand von mindestens einem Monat eine Erhöhung des FSH-Wertes >40 U/l in Kombinationen mit  vermindertem Östradiol entspricht dies einem Hormonstatus in den frühen Wechseljahren. Resultierend aus einer Eizellreifungsstörung in der ersten Zyklushälfte mit reduziertem Östradiol, finden sich bei der Gelbkörperschwäche (Corpus-Luteum-Insuffizienz) wiederholt unzureichende Blutwerte für das Progesteron in der zweiten Zyklusphase. Neben diesen zyklusabhängigen Hormonen ist auch die Bestimmung des zyklusunabhängigen Anti-Müller-Hormones (AMH) zur Abschätzung der ovariellen Reservekapazität sinnvoll. Sehr niedrige Werte deuten auf eine verminderte Anzahl der in den Eierstöcken insgesamt verfügbaren Eizellen hin, sagen aber im Wesentlichen wenig über die Eizellqualität aus.

Therapie

Die wichtigste Therapie gegen ein Nachlassen der Eierstockfunktion ist ein möglichst frühzeitiges Erkennen, weswegen Patientinnen mit bekannten weiblichen Risikofaktoren (z. B. Alter > 35 Jahre, Endometriose, Blutungsstörungen) frühzeitig diagnostiziert und therapiert werden sollten.

Sind noch grundsätzlich befruchtungsfähige Eizellen vorhanden, ergeben sich bei Patientinnen mit einem Nachlassen der Eierstockfunktion und Hinweisen für eine unzureichende Eibläschenreifung und/oder Bildung des Gelbkörpers Möglichkeiten, die Eizellbildung mittels Gabe von Clomifen oder Gonadotropinen medikamentös zu verbessern. Ergeben sich Zweifel ob mittels hormoneller Stimulation der Eizellbildung und Verkehr zum Optimum oder Inseminationstherapie Schwangerschaften erzielt werden können, sollte im Anbetracht der verbleibenden, verkürzten fruchtbaren Lebensphase und höheren Schwangerschaftsraten der weitergehenden Verfahren, frühzeitig auch über die Durchführung einer assistierten Befruchtung nachgedacht werden.

Kommt es unter der oralen Gabe von Clomifen und/oder Spritzentherapie mit Gonadotropinen nicht zu einer Eizellreifung ergeben sich in Deutschland keine Therapiemöglichkeiten. In Abhängigkeit vom Alter und den Hormonwerten sollte bei einem vorzeitigen kompletten Erlöschen der Eierstockfunktion außerhalb eines bestehenden Kinderwunsches über eine Hormonersatztherapie nachgedacht werden.

Relevante Leitlinien / Literaturverweise

  • The Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine, Testing and interpreting measures of ovarian reserve: a committee opinion. Fertility Sterility 98:1407–15, 2012
  • te Velde E.R. &  P.L. Pearson. The variability of female reproductive ageing.Human Reproduction Update 2: 141-154, 2002
  • La Marca et al. in behalf of the ESHRE Special Interest Group for Reproductive Endocrinology--AMH Round Table. Anti-Mullerian hormone (AMH): what do we still need to know? Human Reproduction 24:2264-75. 2009