Veränderungen im Bereich der Gebärmutter

Veränderungen im Bereich der Gebärmutter und des Gebärmutterhalses sind bei 5 bis 15% der Frauen ursächlich am unerfüllten Kinderwunsch beteiligt. Blockt der Gebärmutterhalsschleim die Spermien durch z. B. eine Eizellreifungsstörung, chronische Entzündungen oder Spermienantikörper ab, verhindert dies letztendlich die Befruchtung. Ungenügender Schleimhautaufbau oder -umbau, Fehlbildungen der Gebärmutter oder meist gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut (Polypen) können hingegen die Einnistung des Embryos stören oder  zu frühen Fehlgeburten führen. Myome (gutartige Knoten des Gebärmuttermuskels) können  über Verlegungen der Eileiter aber vor allem über Störungen der Gebärmutterfunktion und Durchblutung zu Befruchtungs- und Einnistungsstörungen und Fehlgeburten führen.

Diagnostik

Abweichungen des Blutungsintervalls von der Norm oder eine fehlende Monatsblutung (z. B. beim PCO-Syndrom) deuten schon anamnestisch auf eine Störung der Eizellreifung als Ursache eines unzureichenden Schleimhautaufbaus oder Umbaus sowie für die fehlende Verflüssigung des Schleimes des Gebärmutterhalses hin.  Wiederholte oder intensivierte Ausschabungen der Gebärmutter, vormalige Myomoperationen, gehäufte Infektionen des Genitaltraktes und vor allen Blutungsstörungen mit azyklischen Zwischenblutungen und verstärkter, verlängerter Menstruation als Hinweise für Myome führen zu Störungen im Aufbau der Gebärmutterschleimhaut oder in der Struktur der Gebärmutter. Bisher unentdeckte Anomalitäten der Gebärmutter finden sich auch gehäuft (in ca. 5- 10%), wenn sich, nach der mehrfachen Übertragung von Embryonen in Verfahren der assistierten Reproduktion, der Verdacht auf eine Einnistungsstörung ergibt. Auch gehäufte, insbesondere frühe Fehlgeburten können ursächlich durch Beeinträchtigungen der Struktur oder des Aufbaus der Gebärmutter bedingt sein.

Der allgemeine gynäkologische Untersuchungsbefund ist bei Veränderungen der Gebärmutterfunktion oder des Aufbaus häufig unauffällig. Eine deutlich vergrößerte und knotige Gebärmutter (Uterus myomatosus) oder Wucherungen der Schleimhaut, welche in die Scheide hineinreichen, können jedoch teils getastet oder gesehen werden. Die Qualität des Gebärmutterhalsschleimes lässt sich um den Eisprungstermin beurteilen. Erfolgt zusätzlich eine Ejakulatabgabe des Partners kann zusätzlich auch die Spermienwanderungen durch den Gebärmutterhalsschleim im Rahmen der Partnerschaftsdiagnostik beurteilt werden.

Mit Hilfe des Ultraschalls können viele angeborene und erworbene Formveränderungen der Gebärmutter und der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut in den verschiedenen Zyklusphasen beurteilt werden. Knoten des Gebärmuttermuskels (Myome) liegen zu über 90 % zentral (intramural) oder außen (subserös) in der Muskelschicht der Gebärmutter oder in Form von gestielten Ausstülpungen der Gebärmutter vor. Diese Myome können hinsichtlich Ihrer Anzahl, Lage, Größe mit dem vaginalen Ultraschall recht zuverlässig beurteilt werden. Liegen die Myome jedoch direkt unterhalb der Gebärmutterschleimhaut (submukös) oder bestehen gutartige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut (Polypen) können diese teils nur unzureichend mit dem vaginalen Ultraschall beurteilt werden. Das Einbringen einer Flüssigkeit in die Gebärmutter wie bei einer Eileiteruntersuchung kann bei der Darstellung hilfreich sein.

Die Abgrenzung ob es sich um submuköse Myome, Polypen der Gebärmutterschleimhaut oder anderweitige Fehlbildungen der Gebärmutter handelt, ist meist jedoch nur mittels der Gebärmutterspiegelung möglich. Auch kleine Verwachsungen der Gebärmutterschleimhaut oder dünne Trennwände innerhalb der Gebärmutter können meist nur mittels der Gebärmutterspiegelung gefunden werden.

Liegt die Ursache des gestörten Aufbaus der Gebärmutterschleimhaut oder des Schleimes des Gebärmutterhalses in einer Störung der Eizellreifung, zeigen die Hormonwertbestimmungen verminderte Werte für das weibliche Sexualhormon (Östradiol) und/oder für das Gelbkörperhormon (Progesteron). Zusätzlich können, je nach Ursache der Eizellreifungsstörung, weitere Hormone verändert sein.

Therapie

Bei hormonell bedingten Störungen wird eine hormonelle Förderung der Eizellreifung  durchgeführt. Bei unauffälliger Eizellreifung und trotzdem deutlichen Einschränkungen des Schleimes des Gebärmutterhalses und/oder der Wanderungsfähigkeit der Spermien durch den Schleim bietet sich zur Behandlung des Kinderwunsches zudem auch eine Einspritzung der aufbereiteten Spermien in die Gebärmutter an (Insemination).

Viele der Veränderungen im Aufbau der Gebärmutter bedürfen, insbesondere bei Fehlen von Symptomen, von vornherein nicht einer Therapie. Dies gilt vor allem für kleinere Myome welche zentral (intramural) oder außen (subserös) in der Muskelschicht der Gebärmutter liegen, aber auch für einige angeborene Fehlanlagen der Gebärmutter. Betreffen die anatomischen Veränderungen jedoch die Gebärmutterhöhle, verlegen die Eileiter oder haben eine große Ausdehnung, ist eine operative Therapie insbesondere bei Patientinnen mit wiederholten Fehlgeburten oder Einnistungsstörungen geboten. Anatomische Veränderungen im Bereich der Gebärmutterhöhle werden typischerweise mittels einer operativen Gebärmutterspiegelung entfernt bzw. korrigiert. Liegen die Myome eher zentral oder außen in der Gebärmutter ist jedoch häufig auch die Durchführung einer Bauchspiegelung zur Verbesserung der Fruchtbarkeit notwendig, wobei sehr große Myome teils auch nur mittels einer offenen Bauch-OP entfernt werden können.

Relevante Leitlinien / Literaturverweise

  • Taylor E. & Gomel V.Theuterusandfertility. FertilSteril 89: 1–16. 2008
  • The Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine in collaboration with the Society of Reproductive Surgeons, Myomas and reproductive function. Fertility Sterility 90:S125–30, 2008